CBD bei Stress und Angst: Was die Forschung zeigt

Viele Menschen stehen unter Stress oder leiden unter Ängsten. Im Zusammenhang damit wird häufig CBD (Cannabidiol) genannt, ein nicht berauschender Wirkstoff aus der Hanfpflanze. Doch was ist über eine mögliche Wirkung bekannt? Dieser Artikel fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, erklärt Unterschiede zu zugelassenen Medikamenten und beschreibt Nebenwirkungen und Risiken.

CBD und seine Wirkung auf das Nervensystem

CBD interagiert mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS), das an der Regulation verschiedener Körperprozesse beteiligt ist.

Das ECS umfasst unter anderem die Rezeptoren CB1 und CB2. CBD bindet kaum direkt an diese Rezeptoren, sondern wirkt eher indirekt. Diskutiert wird außerdem eine Wirkung auf Serotoninrezeptoren (5-HT1A), die an der Regulation von Angst beteiligt sind. Die genauen Mechanismen beim Menschen sind noch nicht geklärt.

In Labor- und Tierstudien wurden zudem antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften beobachtet. Ob diese Befunde für die Behandlung von Angst beim Menschen relevant sind, ist offen.

CBD im Vergleich zu Medikamenten

Viele Menschen suchen nach pflanzlichen Alternativen zu Medikamenten. CBD wirkt nicht berauschend; es ist aber nicht frei von Nebenwirkungen und kann mit anderen Medikamenten wechselwirken.

Manche Menschen sind mit den Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Angst unzufrieden. Benzodiazepine etwa können abhängig machen und werden daher meist nur kurzfristig eingesetzt. Für die Behandlung von Angststörungen gibt es jedoch gut untersuchte Optionen, insbesondere Psychotherapie und bestimmte Antidepressiva. CBD ist für diese Indikation nicht zugelassen, und seine Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt.

Aussagen, CBD könne Ursachen von Angst „ganzheitlich“ behandeln, sind wissenschaftlich nicht gestützt.

Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von CBD

Verschiedene Studien haben CBD im Zusammenhang mit Angst untersucht. In einer kleinen, placebokontrollierten Studie aus dem Jahr 2011 erhielten Menschen mit sozialer Angststörung vor einer simulierten Rede eine einmalige hohe Dosis CBD; sie berichteten über geringere Angst als die Placebogruppe. Die Studie war sehr klein und untersuchte nur eine einmalige Gabe.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 kam zu dem Schluss, dass vor allem Tierstudien Hinweise auf angstmindernde Effekte liefern und dass klinische Studien beim Menschen nötig sind, bevor Aussagen zur Behandlung von Angststörungen möglich sind.

Die meisten bisherigen Studien wurden an Tieren oder an kleinen Gruppen von Menschen durchgeführt, oft mit einmaliger Gabe und hohen Dosen. Ob CBD bei längerer Einnahme und in üblichen Mengen frei verkäuflicher Produkte gegen Angst wirkt, ist nicht belegt.

Erfahrungsberichte richtig einordnen

Manche Menschen berichten, dass sie sich nach der Einnahme von CBD ruhiger fühlen. Solche Erfahrungsberichte sind jedoch subjektiv und können durch Erwartungen und den Placebo-Effekt beeinflusst sein. Sie sind kein Nachweis einer Wirkung.

Was die Studienlage insgesamt zeigt

Insgesamt gibt es einzelne Hinweise, dass CBD Angstsymptome in bestimmten Situationen beeinflussen könnte. Die Studien sind jedoch meist klein, kurz und methodisch begrenzt.

Größere und längere kontrollierte Studien sind notwendig, um Wirksamkeit und Sicherheit von CBD bei Angststörungen zu beurteilen.

Bildgebende Studien (fMRT) zeigen, dass CBD die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen beeinflussen kann, die mit Angst in Verbindung stehen. Daraus lässt sich jedoch noch kein therapeutischer Nutzen ableiten.

Nach aktuellem Stand ist CBD keine belegte Behandlung für Stress oder Angststörungen.

Unterschiede zu zugelassenen Medikamenten gegen Angst

Zur medikamentösen Behandlung von Angststörungen werden unter anderem bestimmte Antidepressiva (zum Beispiel SSRI) eingesetzt; Benzodiazepine kommen wegen ihres Abhängigkeitsrisikos meist nur kurzfristig zum Einsatz. Diese Medikamente sind in Studien gut untersucht, können aber Nebenwirkungen haben und werden ärztlich begleitet.

CBD wirkt nicht berauschend. Nach bisherigen Erkenntnissen zeigt reines CBD kein relevantes Abhängigkeitspotenzial. Es kann jedoch Nebenwirkungen wie Müdigkeit verursachen und mit anderen Medikamenten wechselwirken. Ein direkter Vergleich mit zugelassenen Medikamenten ist mangels ausreichender Studien nicht möglich.

Zugelassene Medikamente sind verschreibungspflichtig und werden ärztlich überwacht. CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel sind in der EU dagegen als Novel Food bislang nicht zugelassen. Zudem variieren Qualität und CBD-Gehalt frei verkäuflicher Produkte erheblich.

Nebenwirkungen und Sicherheit von CBD

CBD wird von vielen Menschen vertragen, kann aber Nebenwirkungen haben. Häufig berichtet werden Müdigkeit, Durchfall sowie Veränderungen von Appetit oder Gewicht.

Einige Nutzer berichten über ein trockenes Gefühl im Mund, Schwindelgefühl oder einen verringerten Blutdruck nach der Einnahme von CBD. Es ist wichtig zu beachten, dass CBD auch mit bestimmten Medikamenten interagieren kann. So kann es die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken, wodurch das Risiko von Blutungen erhöht wird.

Bei höheren Dosen wurden in Studien erhöhte Leberwerte beobachtet. Menschen mit Lebererkrankungen sollten daher besonders vorsichtig sein. Vor der Anwendung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, insbesondere bei Einnahme anderer Medikamente.

Die Qualität des CBD-Produkts spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle für die Sicherheit. Minderwertige Produkte könnten Verunreinigungen enthalten, die zusätzliche Risiken bergen. Deshalb wird empfohlen, nur CBD-Produkte von vertrauenswürdigen Herstellern zu kaufen, die transparente Informationen über ihre Produktionsprozesse und Inhaltsstoffe bereitstellen.

Hinweise zur Anwendung

Wer unter anhaltendem Stress oder Ängsten leidet, sollte sich zunächst ärztlich oder psychotherapeutisch beraten lassen. Für Angststörungen gibt es wirksame Behandlungen.

Für frei verkäufliche CBD-Produkte gibt es keine wissenschaftlich begründete Dosierungsempfehlung gegen Angst. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für CBD in Lebensmitteln einen vorläufigen sicheren Wert von etwa 2 mg pro Tag für Erwachsene. Ein eigenständiges Ausprobieren verschiedener Dosierungen wird nicht empfohlen.

Achten Sie darauf, hochwertige Produkte von vertrauenswürdigen Herstellern zu kaufen. Diese liefern präzise Informationen über den exakten CBD-Gehalt sowie andere Inhaltsstoffe. Prüfen Sie außerdem, ob das Produkt laborgeprüft ist, um Verunreinigungen auszuschließen.

Bedenken Sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Einordnung: Was nach aktuellem Kenntnisstand gilt

Gut belegt ist die Wirkung von CBD bislang vor allem für ein hochgereinigtes Arzneimittel (Epidyolex), das in der EU zur Behandlung von Krampfanfällen bei bestimmten seltenen Epilepsieformen – Lennox-Gastaut-Syndrom, Dravet-Syndrom und tuberöse Sklerose – zugelassen ist und ärztlich verordnet wird. Für andere Anwendungen, etwa bei Schmerzen, Angst, Schlafproblemen oder Hauterkrankungen, gibt es teilweise Hinweise aus Studien, aber nach aktuellem Stand keine ausreichenden Belege für eine Wirksamkeit frei verkäuflicher CBD-Produkte. Ergebnisse aus Labor- oder Tierversuchen lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
CBD kann Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Durchfall oder Appetitveränderungen haben; in Studien mit höheren Dosen wurden auch erhöhte Leberwerte beobachtet. Zudem kann CBD die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. CBD-haltige Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel gelten in der EU als neuartige Lebensmittel (Novel Food), für die bislang keine Zulassung vorliegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt einen vorläufigen sicheren Wert von etwa 2 mg CBD pro Tag für Erwachsene; für Menschen unter 25 Jahren, Schwangere, Stillende und Personen, die Medikamente einnehmen, konnte die Sicherheit nicht festgestellt werden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob CBD im Einzelfall sinnvoll sein kann, sollte mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke besprochen werden – insbesondere bei Vorerkrankungen oder wenn Sie Medikamente einnehmen.

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