Asthma bronchiale ist eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen – bei Kindern und Erwachsenen. Viele denken bei Asthma spontan an „Luftnot“ und Inhalerspray, aber das Krankheitsbild ist deutlich komplexer. Gleichzeitig ist die gute Nachricht: Asthma lässt sich heute in den allermeisten Fällen sehr gut behandeln, sodass ein weitgehend normales Leben möglich ist. Dieser Beitrag soll helfen, Asthma verständlich zu machen: Was passiert in den Bronchien? Woran erkenne ich Asthma? Welche Auslöser gibt es? Und wie sieht eine moderne Behandlung aus? Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung, kann aber ein wichtiges Fundament für das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten sein.
Was ist Asthma bronchiale?
Asthma bronchiale ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien überempfindlich reagieren. Typisch sind:
- anfallsweise auftretende Atemnot,
- pfeifende oder brummende Atmung,
- Husten (oft nachts oder in den frühen Morgenstunden),
- Engegefühl in der Brust.
Charakteristisch für Asthma ist, dass die Beschwerden wechselhaft sind: Es gibt Phasen mit völlig unauffälliger Atmung und Zeiten, in denen schon ein kleiner Auslöser heftige Symptome verursacht.
Ein Kernmerkmal von Asthma: Die Verengung der Bronchien ist (zumindest teilweise) reversibel, das heißt, sie kann sich spontan oder nach Medikamentengabe wieder zurückbilden. Das unterscheidet Asthma z. B. von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bei der die Verengung meist dauerhaft ist.
Wie funktionieren die Bronchien – und was läuft bei Asthma anders?
Aufbau der Atemwege
Die Luft gelangt beim Einatmen über Mund oder Nase in:
- Luftröhre (Trachea)
- große Bronchien
- kleinere Bronchien und Bronchiolen
- schließlich in die Lungenbläschen (Alveolen), wo der Gasaustausch stattfindet
Die Bronchien sind innen mit Schleimhaut ausgekleidet und von einer dünnen Muskelschicht umgeben. Unter normalen Bedingungen sorgen sie dafür, dass Luft ungehindert in die Lunge hinein- und wieder hinausströmen kann.
Was passiert bei Asthma?
Beim Asthma verbinden sich drei Prozesse:
- Chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut
Die Schleimhaut ist dauerhaft gereizt und „auf Alarm geschaltet“. Dadurch reagiert sie auf Reize (z. B. Pollen, kalte Luft, Rauch) viel empfindlicher als bei gesunden Personen. - Verkrampfung der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus)
Die Muskeln um die Bronchien ziehen sich zusammen – die Atemwege werden enger, die Luft kann schlechter entweichen. Das verursacht das typische Pfeifen und die Atemnot. - Vermehrte Schleimproduktion
Entzündete Schleimhäute produzieren zähen Schleim, der die Bronchien zusätzlich verengt und den Luftstrom behindert.
Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt zu anfallsweise auftretender Luftnot, die Betroffene oft als sehr bedrohlich erleben – auch wenn sie medizinisch gut behandelbar ist.
Formen von Asthma bronchiale
Asthma ist nicht „eins für alle“, sondern kann sehr unterschiedlich aussehen. Häufig wird unterschieden in:
Allergisches Asthma
- beginnt oft im Kindes- oder Jugendalter,
- ist verknüpft mit Allergien, z. B. auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze,
- Betroffene leiden oft auch an Heuschnupfen oder Neurodermitis.
Beim allergischen Asthma lösen Allergene eine überschießende Reaktion des Immunsystems aus, die die Entzündung in den Bronchien antreibt.
Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma
- beginnt häufiger erst im Erwachsenenalter,
- oft ohne nachweisbare klassische Allergien,
- Auslöser können z. B. Infekte, Luftschadstoffe, Reizgase, kalte Luft oder Medikamente (z. B. bestimmte Schmerzmittel) sein.
Belastungs- bzw. Anstrengungsasthma
- Beschwerden treten vor allem bei körperlicher Belastung auf,
- z. B. Husten, Engegefühl, pfeifende Atmung während oder kurz nach Sport,
- tritt häufig zusätzlich zu einem bestehenden Asthma auf.
Berufsbedingtes Asthma
- Auslöser sind Stoffe am Arbeitsplatz (Mehlstaub, Isocyanate, Reinigungs- oder Desinfektionsmittel u. a.),
- früh erkannt, sind Maßnahmen wie Schutz, Umsetzung oder Arbeitsplatzwechsel wichtig, um eine Verschlechterung zu verhindern.
In der Praxis können sich diese Formen überschneiden. Die genaue Einordnung hilft aber bei der Wahl der richtigen Behandlung und Vorsorge.
Typische Symptome von Asthma
Nicht alle Betroffenen haben alle Symptome, und nicht immer sind sie gleich stark ausgeprägt. Häufige Anzeichen sind:
- anfallsweise auftretende Atemnot,
- pfeifende oder brummende Geräusche beim Ausatmen (Giemen, Brummen),
- Husten, besonders nachts oder früh morgens,
- Enge- oder Druckgefühl in der Brust,
- das Gefühl, nicht richtig ausatmen zu können,
- schnelle Ermüdung bei körperlicher Belastung.
Bei Kindern steht oft Husten im Vordergrund – vor allem bei Belastung oder nachts –, ohne dass sie immer „klassisch“ pfeifen. Das macht die Diagnose manchmal schwieriger.
Auslöser und Trigger: Was Asthmaanfälle provozieren kann
Asthma-Beschwerden werden oft durch bestimmte Trigger ausgelöst oder verstärkt. Typische Auslöser sind:
- Allergene: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmel
- Infekte: Erkältungen, Virusinfekte der Atemwege
- Tabakrauch (aktives und passives Rauchen)
- Luftschadstoffe und Reizstoffe: Abgase, Staub, chemische Dämpfe
- Kalte oder sehr trockene Luft
- Körperliche Anstrengung, vor allem bei schlechter Asthma-Kontrolle
- Starke Emotionen wie Stress, Angst oder Lachen
- Bestimmte Medikamente, z. B. einige Schmerzmittel (ASS/NSAR) oder Betablocker bei dafür empfindlichen Personen
Für eine gute Asthmakontrolle ist es wichtig, die persönlichen Auslöser zu kennen – nicht, um sich komplett einzuschränken, sondern um bewusst und vorbereitet damit umgehen zu können.
Wie wird Asthma bronchiale diagnostiziert?
Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung
Am Anfang steht eine genaue Anamnese:
- Welche Beschwerden treten auf?
- Wann treten sie auf (nachts, bei Belastung, saisonal)?
- Gibt es bekannte Allergien?
- Rauchen oder Passivrauchen?
- Asthma oder Allergien in der Familie?
Danach folgt eine körperliche Untersuchung, insbesondere das Abhören der Lunge. In Ruhe kann die Lunge manchmal unauffällig klingen – typische Pfeifgeräusche hört man eher bei akuten Beschwerden.
Lungenfunktion (Spirometrie)
Die Spirometrie ist ein zentrales Untersuchungsverfahren:
- Man atmet über ein Mundstück in ein Gerät,
- gemessen wird z. B. wie viel Luft man in einer Sekunde kraftvoll ausatmen kann (FEV₁),
- bei Asthma zeigt sich oft eine Verengung der Atemwege, die sich nach Gabe eines bronchienerweiternden Medikaments (Bronchodilatator) wieder bessert – das spricht für Asthma.
Weitere Untersuchungen
Je nach Situation können zusätzlich sinnvoll sein:
- Peak-Flow-Messung zu Hause (kontinuierliche Kontrolle der Ausatemkraft),
- Allergietests (Pricktest, Blutuntersuchungen),
- Provokationstests in spezialisierten Zentren,
- Röntgenaufnahme der Lunge (v. a. um andere Ursachen auszuschließen).
Ziele der Asthma-Behandlung
Die moderne Asthmatherapie verfolgt klare Ziele:
- möglichst wenig oder keine Beschwerden im Alltag,
- keine oder seltene nächtliche Symptome,
- normale oder fast normale Lungenfunktion,
- kaum Bedarf an Notfallmedikamenten,
- Vermeidung von schweren Asthmaanfällen und Krankenhausaufenthalten,
- volle Teilnahme an Alltag, Schule, Beruf und Sport.
Asthma soll idealerweise so gut kontrolliert sein, dass Betroffene ihr Leben nicht „um die Krankheit herum“ planen müssen.
Medikamente: Controller und Reliever
Grundsätzlich unterscheidet man bei der Asthmatherapie zwei Gruppen von Medikamenten:
Controller (Dauertherapie)
Controller-Medikamente wirken entzündungshemmend und werden regelmäßig eingenommen, auch wenn es einem gut geht. Sie behandeln die Ursache (die Entzündung) und nicht nur die Symptome.
Wichtige Controller sind:
- Inhalative Kortikosteroide (ICS)
Sie sind der Grundpfeiler der Asthmatherapie. Sie reduzieren die Entzündung in den Bronchien und senken die Überempfindlichkeit. - ICS in Kombination mit langwirksamen Bronchodilatatoren (LABA)
Bei stärkerem Asthma kommen Kombinationspräparate zum Einsatz, die Entzündung reduzieren und gleichzeitig die Bronchien langfristig erweitern. - Leukotrien-Rezeptorantagonisten (Tabletten)
Können als Zusatztherapie v. a. bei allergischem Asthma helfen, z. B. bei Kindern oder bei zusätzlichem Heuschnupfen. - Biologika (Antikörpertherapien)
Werden bei schweren, schwer kontrollierbaren Asthmaformen eingesetzt, häufig bei allergischem oder eosinophilem Asthma. Diese Therapien erfolgen in der Regel durch Fachärzt:innen in spezialisierten Zentren.
Reliever (Bedarfsmedikation)
Reliever lindern akut Symptome wie Atemnot und Engegefühl. Sie sollten nicht dauerhaft „statt“ einer guten Dauertherapie verwendet werden.
Typische Reliever sind:
- kurzwirksame bronchienerweiternde Inhalationsmedikamente (z. B. SABA)
Sie wirken schnell, erweitern die Bronchien und erleichtern das Atmen.
In aktuellen Therapiekonzepten wird – je nach Schweregrad – oft empfohlen, bestimmte Kombinationen aus ICS und bronchienerweiternden Substanzen auch bei Bedarf zu nutzen, um die Entzündung gleichzeitig mit zu behandeln. Wie genau das im Einzelfall aussieht, sollte immer im Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt geklärt werden.
Inhalationstechnik: Kleinigkeit mit großer Wirkung
Die beste Therapie nützt wenig, wenn die Medikamente nicht richtig in der Lunge ankommen. Häufige Probleme sind:
- zu schnelle oder zu langsame Einatmung,
- fehlende Koordination von Auslösen und Einatmen,
- zu wenig Atemanhaltezeit nach dem Inhalieren,
- ungeeignetes Mundstück oder fehlende Hilfsmittel (z. B. Spacer bei Dosieraerosolen).
Deshalb ist es wichtig:
- sich die Anwendung des Inhalators von Fachpersonal zeigen zu lassen,
- die Technik regelmäßig kontrollieren zu lassen (z. B. bei Kontrollterminen),
- bei Unsicherheit aktiv nachzufragen oder um erneute Anleitung zu bitten.
Viele Apotheken, Ärzt:innen und Asthmaschulungen bieten praktische Übungsmöglichkeiten mit Demo-Inhalatoren an.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Medikamente sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung – aber längst nicht alles. Wichtig sind außerdem:
Auslöser minimieren
- Rauchfrei leben (aktives und passives Rauchen vermeiden),
- Allergenkarenz, soweit sinnvoll und möglich (z. B. geeignete Matratzenbezüge bei Hausstauballergie),
- Reizstoffe am Arbeitsplatz reduzieren, ggf. Anpassung oder Umgestaltung des Arbeitsplatzes,
- Infekte ernst nehmen, rechtzeitig auskurieren.
Asthmaschulung und Selbstmanagement
In strukturierten Asthmaschulungen lernen Betroffene u. a.:
- Krankheit und Therapie besser zu verstehen,
- ihre Symptome richtig einzuschätzen,
- den Inhalator korrekt zu benutzen,
- ihren persönlichen Asthma-Aktionsplan zu nutzen (Was tun bei leichten, mittleren, schweren Beschwerden?),
- Notfallsituationen zu erkennen und richtig zu handeln.
Gut informierte Patient:innen haben in der Regel eine deutlich bessere Asthmakontrolle.
Sport und Bewegung
Früher hieß es mitunter „Asthmatiker sollten sich körperlich schonen“. Heute weiß man:
Bewegung ist wichtig und sinnvoll, wenn das Asthma gut eingestellt ist.
Geeignet sind z. B.:
- Ausdauersportarten wie Walking, Radfahren, Schwimmen,
- gut dosierte Belastung mit ausreichender Aufwärmphase,
- ggf. vorbeugende Inhalation eines Bedarfsmedikaments nach ärztlicher Empfehlung bei Belastungsasthma.
Das Ziel: Kondition aufbauen, Atemmuskulatur stärken, Lebensqualität verbessern – nicht Höchstleistung um jeden Preis.
Asthma bei Kindern
Bei Kindern ist Asthma:
- eine der häufigsten chronischen Erkrankungen,
- oft verknüpft mit Allergien,
- häufig mit Husten als Hauptsymptom (nicht immer klassischer „Pfeifton“).
Besondere Aspekte:
- Kinder können ihre Beschwerden oft noch nicht so genau beschreiben. Eltern, Erzieher:innen und Lehrkräfte spielen bei der Beobachtung eine wichtige Rolle.
- Die Therapie orientiert sich an Alter, Gewicht, Symptomschwere und der Fähigkeit des Kindes, mit Inhalatoren umzugehen.
- Asthmaschulungen speziell für Familien können sehr helfen, Unsicherheiten abzubauen und den Alltag zu erleichtern.
Wichtig ist, dass Kinder mit Asthma – bei guter Einstellung – möglichst normal an Sport und Aktivitäten teilnehmen können. Ausschluss aus Schulsport oder Freizeitaktivitäten ist in der Regel nicht nötig und kann vermieden werden.
Asthma in Schwangerschaft und Stillzeit
Viele Frauen mit Asthma fragen sich: „Was passiert in der Schwangerschaft?“
Grundsätzlich gilt:
- Eine gut eingestellte Asthmatherapie ist in der Schwangerschaft wichtig, weil eine gute Sauerstoffversorgung für Mutter und Kind entscheidend ist.
- Viele Asthma-Medikamente können – nach ärztlicher Rücksprache – in der Schwangerschaft und Stillzeit weitergeführt werden.
- Eine eigenmächtige Reduktion oder das Absetzen der Medikamente kann riskanter sein als ihre Weiterführung.
Schwangere mit Asthma sollten mit ihrer Gynäkologin / ihrem Gynäkologen und der behandelnden Lungenfachärztin / dem Lungenfacharzt eng zusammenarbeiten.
Wann ist es ein Notfall?
Folgende Warnzeichen sollten ernst genommen werden:
- starke Atemnot, die sich durch Bedarfsmedikament nicht ausreichend bessert,
- Schwierigkeiten, ganze Sätze zu sprechen,
- stark beschleunigte Atmung, „Lufthunger“,
- bläuliche Verfärbung von Lippen oder Fingern,
- ausgeprägte Unruhe, Verwirrtheit oder Benommenheit.
In solchen Fällen gilt:
Sofort ärztliche Hilfe holen – je nach Situation Notruf wählen oder umgehend in eine Notaufnahme gehen. Ein schwerer Asthmaanfall ist ein medizinischer Notfall und sollte nicht „abgewartet“ werden.
Leben mit Asthma: Mit der Erkrankung wachsen, nicht untergehen
Asthma bronchiale ist chronisch – aber das bedeutet heute nicht mehr automatisch schwere Einschränkung. Mit einer gut abgestimmten Therapie, einer korrekten Inhalationstechnik, dem Wissen um die eigenen Auslöser und einer aktiven Rolle im Selbstmanagement können die meisten Betroffenen:
- arbeiten,
- Sport treiben,
- reisen,
- und ein erfülltes, aktives Leben führen.
Wichtig ist, Asthma nicht zu bagatellisieren, aber auch nicht das ganze Leben von der Erkrankung bestimmen zu lassen. Regelmäßige Kontrollen, offene Kommunikation mit dem Behandlungsteam und Bereitschaft zur Mitarbeit sind die Schlüssel, damit Asthma gut kontrolliert wird – und nicht umgekehrt das Leben die ganze Zeit kontrolliert.
Wenn du das Gefühl hast, dass deine Symptome häufiger werden, dein Bedarfsspray öfter nötig ist oder dich die Angst vor Atemnot im Alltag einschränkt, ist das ein klares Signal:
Es lohnt sich, die Therapie gemeinsam mit Fachleuten neu anzuschauen. Asthma ist behandelbar – und du musst damit nicht allein zurechtkommen.
Bildquelle – istock – Female lungs anatomy – sankalpmaya
